Castaway – Verschollen im Paradies

Einordnung der Tour auf unserer Route
Agnes Water, 1770 und die “Castaway-Tour” nach Middle Island waren unser dritter großer Stopp auf dem 2000 km langen Streckenabschnitt von Cairns nach Brisbane (Routenabschnitt auf der Karte ansehen). Agnes Water liegt ca. 1400 km südlich von unserem Startort Cairns. Nachdem wir also unsere Tour zu den Whitsunday Islands (zum Reisebericht) hinter uns gebracht haben, mussten wir binnen 24 Stunden die 700km nach Agnes Water zurücklegen, um rechtzeitig zum Safety Briefing zu erscheinen.
Reisebericht

Wer das genaue Gegenteil von Airlie Beach sucht, der ist in Agnes Water und dem kleinen Nachbardorf 1770 richtig. Keine Backpackerhorden, keine Bars, keine Party, Ruhe, Erholung und ein winziger Flugplatz in 1770 – und der war das eigentliche Ziel unserer Reise. Warum ein Ort einfach 1770 heißt (der einzige auf der Welt dessen Namen nur aus Ziffern und nicht aus Buchstaben besteht), hat mal wieder einen trivialen Grund: unser alter Freund Captain James Cook hat hier zum ersten mal den australischen Kontinent betreten. Ratet mal in welchem Jahr 🙂

Sonnenuntergang am 1770 Beach

Sonnenuntergang am 1770 Beach

Die Besprechung vom ersten Tag mit unserem Piloten ließ Freude (bei Stephan) und Angst (bei Kathy) zugleich auftreten. Wie das geht? Versprach er uns doch den tollen Flug zur Insel (inkl. Landung am Strand) zu einem noch unvergesslicheren Ereignis werden zu lassen… Aber fangen wir von vorne an: Das Camp dieser Tour liegt auf Middle Island (Karte). Eine eigenständige Insel im Gladstone National Park. Sehr wenige Menschen verschlägt es hierhin. Komisch, dabei gibt es hier neben den überall vorkommenden giftigen Spinnen und Schlangen zur Abwechslung mal keine Krokodile und Quallen. Außerdem Delphine (und wir haben sie auch gesehen → Video), Schildkröten, Rochen, Wale und jede Menge zu erleben.

Die Insel von oben

Die Insel von oben

Die Castaway-Tour verspricht uns, ganz wie im Film, uns auf einer einsamen Insel abzusetzen. Fernab von der Zivilisation, ganz idyllisch im Paradies. Ganz so einsam wie im Film ist sie dann doch nicht, denn es sind schon Zelte und ein Lager aufgeschlagen und das Essen müssen wir uns nicht selber jagen (können es aber, dazu später mehr). Duschen gibt es im Camp nicht, aber ein wunderbares Plumpsklo, hoch oben auf einem Thron mit Frischluftzufuhr und Meerblick, da die Plattform nur mit einem 1,50 m hohem Zaun umgeben ist. Abenteuerlich. Der Pilot guckt beim Landeanflug auch immer ob jemand auf der Toilette sitzt. Und im Camp wartet schon der Camp-Guru auf uns. Dundee. Wohnhaft auf Middle Island: Seit 9 Monaten.

Dundee. Der Campguru

Dundee. Der Campguru

Aber viel mehr auch nicht. Außerdem verspricht der Pilot einem die Hosen gestrichen voll zu machen, er ist nämlich Kunstflieger und zeigt auf dem Weg dorthin was er mit seiner kleinen Viersitzer Propellermaschine so alles anstellen kann. Unten im Video bekommt ihr einen kleinen Eindruck davon. Die Bisswunden in Stephans Schulter waren im Übrigen noch 2 Tage lang zu erkennen…

Morgens um 8 ging es dann zum Agnes Water Flugfeld. Unsere kleine Maschine wartete schon auf uns.

Check-In am 1770 "Flughafen"

Check-In am 1770 „Flughafen“

Gerade eingestiegen rollten wir auch schon direkt aufs Flugfeld, Kathy bekam schon gar nicht mehr die auf dem Rollfeld grasenden Kängurus mit. Einmal ans andere Ende gerollt und gedreht, auf 100 km/h beschleunigt, und schon ging es ab in die Lüfte. Unsere kleine Propellermaschine flog gut, wir bekamen eine tolle Aussicht über die wunderschöne Landschaft…

Kurz vorm Abflug - Die Ruhe vor dem Sturm

Kurz vorm Abflug – Die Ruhe vor dem Sturm

Bogen nach links für den Strandblick

Bogen nach links für den Strandblick

Aber wie der Pilot schon angekündigt hat, es sollte ein unvergessliches Erlebnis werden. Und dann begann auch schon das Spektakel. Es fing an mit ein bisschen auf und ein bisschen ab, hoch, runter, hoch, steil runter, steil hoch usw… jeder kann sich eine Schlangenlinie vorstellen? Ungefähr so. Alles noch einigermaßen zu verkraften. Eine scharfe Drehung nach rechts, eine nach links – um auch ja keine Wale und Haie im Meer zu verpassen.

Anm. Kathy: Als wenn man die Augen aufhätte bei der Flugnummer! Anm. Stephan: Als wenn Man(n) aus dem Fenster gucken würde wenn der Pilot Kathy (mit allem was dazu gehört) auf und ab hüpfen lässt :D. Anm. Stephan #2: Ich liebe meine GoPro mit 4K und 60FPS Aufnahmemodus für Slo-Mo-Videos.

Schwerkraft... eine Tolle Erfindung!

Schwerkraft… eine Tolle Erfindung!

Aber der Pilot wurde gerade erst warm. Denn dann folgte der inszenierte Absturz. Der Propeller aus, das Flugzeug scharf nach unten in Absturzposition gebracht, und ab ging es senkrecht Richtung Erde. Stephan am jubeln, Kathy am schreien – Situation vorbei. Stephan bettelt natürlich um ein NOCHMAL und der Pilot ließ es sich nicht nehmen diesen Spaß zu wiederholen. Einer von beiden war froh nach der Landung am Strand wieder festen Boden unter den Füßen zu haben (Seht selbst im Video)! Anm. Stephan: So fest wie Kathy sich bei der Absturznummer in meine Schulter gebissen hat war ich auch froh, das das vorbei war.

Raus aus dem Flugzeug und auf dem Weg zum Camp haben wir dann auch direkt einen Delphin mit seinem Baby im Creek neben uns gesehen, die Fische gejagt haben. Der Flug war vergessen.

Delphine im Creek

Delphine im Creek

Ab ging es ins Camp, Zelte bezogen und schon bekamen wir eine angstmachende Einführung. Grüne Schlangen: OK aber trotzdem einen Bogen drum machen, braune und schwarze Schlangen: nicht OK und bloß nicht drauftreten. Und wenn man eine sieht auch nicht weglaufen, sie jagen dich. To Do: Dundee rufen, er kommt und tötet diese hochgiftige Schlange mit der Schaufel. Weitere solcher Anweisungen (Dingos, Spinnen, Steinfisch, etc.) folgten und alle endeten mit: und wenn euch (…) passiert, dann kann ich nicht mehr viel für euch tun, wir werden euch ausfliegen und das Beste für euch hoffen… Sehr aufheiternd diese Einweisung…

Das Camp

Das Camp

Also los auf einen kleinen Erkundungsspaziergang auf dieser wunderbaren Insel. Wir wurden an dem Tag mit 2 anderen Pärchen eingeflogen, im Camp warteten 4 weitere Bewohner. Es war also recht überschaubar.

Die Gruppe

Die Gruppe

Sobald die Flut kam haben wir uns mit den kleinen Booten auf den Weg gemacht um an noch entlegenere Orte zu gelangen und nach einer 15 minütigen Bootsfahrt und einem Fußmarsch kamen wir am wunderschönen Pancake Creek raus.

Bootstour

Bootstour

Pancake Creek

Pancake Creek

Ins kristallklare Wasser „Duschen“ – naja im Camp gibt es halt keine Duschen – ging es zurück zu den Booten und wir fuhren weiter zu den 30 m Sanddünen. Mit dem Bodyboard lief man hoch und auf dem Bodyboard wieder runter, bis man unten auf dem Wasser im Bustard Bay gleitend wieder auskam. Sandboarding, einfach empfehlenswert! (siehe Video) 🙂

Sandboarding

Sandboarding

Sandboarding

Sandboarding

Zurück im Camp bewunderten wir den tollen Sonnenuntergang und bekamen das traditionelle Campessen: Beef Stew. Weniger empfehlenswert. 😛 Es war zwar ganz OK, aber wie es der Campleiter Dundee seit 9(!!) Monaten dort aushält und jeden Abend das gleiche zu Essen bekommt, das wissen wir nicht. Ja genau, es gibt jeden Abend das gleiche Essen!!!

Der nächste Tag begann mit chillen in den Hängematten und einfach die Seele etwas baumeln lassen. Als die Flut dann da war sind wir in die Kanus gestiegen und haben die andere Seite der Insel erkundet. Auf dem Weg konnten wir unter unseren Kanus dann auch nach einiger Zeit Rochen beobachteten die durchs Wasser schwebten.

Als wir auf der anderen Seite ankamen haben wir uns endlich mal auf eine lange vorgenommene Forschungsmission begeben. In Indonesien sind uns schon die merkwürdigen Gebilde am Strand aufgefallen, die aus Millionen von kleinen Kügelchen bestehen. Wir wussten zwar, dass es kleine Krabben sind, aber haben den Entstehungsprozess nie gesehen.

Muster der Ghost Crabs

Muster der Ghost Crabs

Aber wir hatten ja genügend Zeit (davon hat man hier wirklich genug, das war richtig schön) und waren in the Middle of Nowhere, why not. Wir haben uns und unsere Kameras also ganz ruhig in die Nähe der Kügelchen gelegt und einige Minuten gewartet. Nach einer Weile absoluter Stille und Regungslosigkeit ging dann das kleine große Treiben los. Ergebnis unserer Forschungsmission: Die Kügelchen entstehen, wenn die Krabben sich den Sand in den Mund schaufeln, diesen nach Nahrung absaugen und dann als Kugel wieder ausspucken, schon bewegt sich die Krabbe eine Position weiter und die nächste Kugel wird in den Mund gestopft. Da sich die Krabben möglichst nicht so weit von ihrem Loch im Sand entfernen möchten, entstehen dort witzige Gebilde. Das hätte man zwar auch schneller googlen können, aber zum einen gab es dort kein Internet und zum anderen wäre das nicht so spannend gewesen 🙂

Der Verursacher der Muster: rechts im Bild

Der Verursacher der Muster: rechts im Bild

Um das Castaway-Feeling wirklich zu erleben, wollten wir uns natürlich auch mal etwas zu essen fangen. Und wir hatten ja Zeit dazu :). Da Stephans Jagd auf Truthähne mit dem selbstgebastelten Speer aus einer Zeltstange und einem Holzkeil leider erfolglos geblieben sind (Anm. Stephan: Es war einfach unmöglich. Sobald man etwas in der Hand hält, sind die Tiere weg. Dundee meinte, ich sei nicht der erste gewesen, der auf die Idee kam Truthahn statt Beef Stew zu kochen – die Viecher wissen Bescheid und sind gewitzt. Anm. Kathy: Stephan verschweigt an dieser Stelle das er den Speer bei seiner erfolglosen Jagd auch noch komplett zerstört hat! Anm. Stephan: Kathy ist eine blöde Petze!). Also haben wir uns beim Angeln versucht, doch zunächst brauchte man die Köder. Dazu war im Camp zum Glück schon eine Pumpe vorhanden. Also ab ins knöcheltiefe Wasser und Sand bzw. Matsch angesaugt und an den Strand befördert (Anm. Kathy: wundert es mal wieder jemanden, dass Stephan dieses Gerät einfach nicht aus der Hand legen wollte?). Der Matsch wurde dann nach kleinen Krabben abgesucht und schon hatten wir unsere Köder.

Angelköder sammeln

Angelköder sammeln

Schatz, guck mal, ich möchte dir hier im Schlamm etwas zeigen :-)

Schatz, guck mal, ich möchte dir hier im Schlamm etwas zeigen 🙂

Danach ging es dann mit einer Horde von blutigen Anfängern die noch nie in ihrem Leben geangelt haben an den von Dundee empfohlenen Strand. Ein tolles Wort das unser Fischererlebnis beschreibt? –> Erfolglos. 🙂 Aber ne gute Figur haben wir gemacht. 😀

Anfängerglück beim Angeln leider ausgeblieben

Anfängerglück beim Angeln leider ausgeblieben

Am Nachmittag machten wir uns wieder mit den Booten auf zu einer Tour zum Bustard Head Lighthouse. Auf dem Weg nach oben konnte man dann auch schon Kängurus an der Klippe grasen sehen und daneben die wunderschöne Aussicht genießen.

Auf dem Weg zum Leuchtturm

Auf dem Weg zum Leuchtturm

Aussicht vom Leuchtturm

Aussicht vom Leuchtturm

Oben angekommen erzählten die diesmonatigen Hausherren (jeden Monat wohnt jemand anderes oben) uns allerlei mörderische Geschichten über die Familien die hier gewohnt hatten und über die Geschichte des Leuchtturms. Nachdem wir vom Leuchtturm aus genug nach Walen gespottet und Kängurus beim fressen beobachtet hatten, ging es zurück zum Camp und siehe da: auf dem Weg fanden wir wieder einige Kängurus, diesmal dann schon satt, da sie es sich in der untergehenden Sonne im Gras gemütlich gemacht hatten.

Auch die Kängurus genießen den Sonnenuntergang

Auch die Kängurus genießen den Sonnenuntergang

Im Camp ging es dann noch einmal fischen und da man sowieso keine Resultate erwarten konnte (das Anfängerglück setzte halt einfach nicht ein), machte sich ein Teil der Gruppe ans altbekannte kochen des Beef Stew. Der Abend endete in einem Trinkgelage, da ein Mitglied der Crew verabschiedet wurde. Das schöne an der einsamen Insel war, dass es kaum Lichtverschmutzung gab und man den wunderschönen Sternenhimmel über Australien bewundern konnte, bei dem man sogar die Milchstraße ohne Anstrengungen sehen kann.

Milchstraße

Milchstraße

Hier konnte Stephan dann endlich mal unsere neue Kamera ausprobieren und als die perfekten Einstellungen gefunden waren, gab es das große Fotoshooting.

Best. Foto. Ever. True Story!

Best. Foto. Ever. True Story!

30 Sekunden stillhalten, sonst ist alles verwackelt.

30 Sekunden stillhalten, sonst ist alles verwackelt.

Und je mehr Alkohol floss, desto extravaganter wurden die Posen 😀

Nein, das sind nicht wir :D

Nein, das sind nicht wir 😀

Die Tage verflogen so schnell, der Abflugtag stand bevor und man ruhte sich vom Vorabend wieder in den Hängematten aus. Schon flog auch der Pilot ein und ein weiterer Flug stand bevor (Anm. Kathy: Stephan ließ mich mit einem anderen (ruhigen) Flugzeug ohne ihn zurück fliegen, ob das an den Bissspuren lag?). Aus dem Flugzeug konnten wir auch einen Wal mit Baby sehen.

Eine Walmutter mit ihrem Baby

Eine Walmutter mit ihrem Baby

Und schon war unser CASTAWAY Abenteuer überstanden. SURVIVED!!! Ein etwas anderes Erlebnis, bei dem man einfach mal die Zeit genießt in der man nichts zu tun hat und es auch nichts zu tun gibt, außer die Natur zu erkunden. Und wenn einem langweilig ist, dann jagt man halt das Abendessen (oder versucht es zumindest). Wir haben es in vollen Zügen genossen.

Schnell unter eine heiße Dusche, einkaufen und Wäsche waschen. Nochmal in Agnes Water übernachten und los geht es über Bundaberg (unser erster ALDI Einkauf!!) nach Rainbow Beach: Fraser Island wartet auf uns!

 

Und hier ein kurzes Video mit ein paar Eindrücken

 

Weitere Castaway Fotos

Diese und weitere Fotos findest du auch in unserem Fotoalbum zur Castaway Tour.

 

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