Adelaide: Weintour auf den Spuren deutscher Siedler

Einordnung der Tour auf unserer Route

Nachdem sowohl wir als auch unser Campervan das Outback überlebt haben (Anm.: Dachten wir zumindest, weitere Details kommen im nächsten Blogbeitrag), sind wir eine Weile in Adelaide geblieben und haben die Gegend erkundet, bevor wir dann weiter entlang der Great Ocean Road nach Melbourne gefahren sind, was unser letzter Stopp in Australien war.

Reisebericht

Unsere erste Herausforderung in Adelaide war es eine Unterkunft zu finden, denn wie sich mittlerweile herausstellte, sind wir AC/DC-Groupies, die der Band auf ihrer Tour durch Australien (ungewollt!!) folgen. Nachdem sie während Stephans Aufenthalt in Brisbane aufgetreten sind, hatte wir das erste Mal richtige Probleme ein anständiges Hostel während ihres Konzertes in Sydney zu bekommen. In Adelaide war dann so ziemlich jedes Hostel hoffnungslos ausgebucht und wir hatten Glück für eine Nacht in unserem Van halblegal in einem Hostel Unterschlupf zu finden. Ratet mal, warum wir in Melbourne in unserer ersten Nacht ebenfalls Probleme hatten ein Hostel zu bekommen :). Wir hoffen, dass AC/DC ihre Tour nicht in Südostasien fortsetzen…

Naja, zurück zu Adelaide. Adelaide ist Australiens erste Planstadt und wurde von freien Siedlern Anfang des 19. Jahrhundert gegründet (ausnahmsweise mal keine britische Gefangenenkolonie). Unter den Siedlern waren auch viele Deutsche, wodurch die Stadt, die Nachnamen der Menschen und die Umgebung, viele deutsche Einflüsse aufweisen. Viele Siedler sind wegen religiöser Verfolgung in der Heimat hierher gekommen. Deshalb wird Adelaide auch als die „Stadt der Kirchen“ bezeichnet. Die Gegend um Adelaide herum ist aber auch für ihren exzellenten Wein bekannt. Man kann also 2-3 Tage damit verbringen sich die verschiedensten Kirchen anzusehen… ooooooder man fährt in das nahegelegene Barossa Valley, dem besten Weinanbaugebiet Australiens. Wir haben uns dann für letzteres entschieden. 🙂

Ausblick aufs Barossa Valley

Ausblick aufs Barossa Valley

Wir wurden morgens um 8 Uhr aufgesammelt und haben zunächst ein paar Sehenswürdigkeiten in der Gegend angefahren. So waren wir am Barossa Reservoir Staudamm, der sogenannten „Whispering Wall“. Durch seine Form kann man am einen Ende die Personen am 140 Meter entfernten anderen Ende flüstern hören.

The "Whispering Wall"

The „Whispering Wall“

Das war zwar ganz nett, aber zum eigentlichen Ziel der Tour hat es nicht beigetragen. Die Veranstalter wollen anscheinend nicht, dass man schon vormittags voll ist. Folglich haben wir das erste Weingut erst gegen 11 Uhr angefahren.

Der erste Wein im Barossa Valley

Der erste Wein im Barossa Valley

Die verschiedensten Weine durchprobiert, den leckersten noch für den Weg eingepackt und dann ging es weiter durch die unzähligen Weinberge und von Weingut zu Weingut, mit einem kleinen BBQ Stopp (mit Kängurusteaks!) zwischendurch um die hungrigen Mägen aufzufüllen. Ein spaßiges Erlebnis, das uns um 16 Uhr sternhagelvoll in der Innenstadt von Adelaide abgesetzt hat. Wie wir vom Karneval in Köln ja wissen, ist das Wichtigste an einem ordentlichen Nachmittagssuff, dass dieser schön gepflegt wird. Sonst ist es wie mit einem Strauß Blumen der kein Wasser bekommt. Und das will ja keiner. Also ab in die erste Bar und nicht lange nachgedacht ob es jetzt „erst Wein dann Bier“ oder „erst Bier dann Wein“ hieß. Nach 4 Litern Wein musste ein kühles Blondes her.

Ein kühles Bier nach zu viel Wein tut gut!

Ein kühles Bier nach zu viel Wein tut gut!

So haben wir dann auch das Nachtleben von Adelaide von Bar zu Bar erkundet und waren begeistert von der vielen Live Musik in jedem kleinen Laden, aber auch von den teilweise abenteuerlichen Preisen in den Bars, die uns haben rückwärts wieder rauslaufen lassen. Dennoch, kann man hier gepflegt ein paar Nächte in den verschiedenen Bars verbringen.

Tanz durch Adelaides Barkultur

Tanz durch Adelaides Barkultur

Bevor wir Adelaide dann aber verlassen haben, wollten wir noch einer der ersten deutschen Siedlungen in Australien einen Besuch abstatten. Also sind wir ohne Frühstück eine halbe Stunde östlich von Adelaide in Hahndorf eingekehrt, in der Hoffnung hier ein richtig gutes deutsches Frühstück zu uns zu nehmen. An der Hauptstraße reihen sich „German Bakeries“ an „German Butchers“, gefolgt vom „Bavarian Schnitzelhaus“ usw. Wir sind die Straße hungrig auf und abgegangen und mussten feststellen, dass die Preise in den Restaurants horrend waren. Wir wollten aber ja kein Restaurant, sondern  haben uns seit Tagen auf eine gute deutsche Stulle mit Leberwurst gefreut. Ein Griff ins Klo. In Australien, wie in den USA auch, besteht Brot zu 70% aus Luft und man kann einen Laib Brot ohne große Kraftanstrengung auf ein zehntel seiner Größe zusammendrücken. Richtig gutes Graubrot oder Vollkornbrot ist so gut wie nicht zu finden, selbst in Hahndorf in den „German Bakeries“ nicht. Wir haben uns dann also mit je einem Labbelsandwich und einem Milchshake für schlappe 17 € begnügt.

Hahndorf abgehakt, sind wir weiter zu unserem nächsten Stopp: Kangaroo Island. Die drittgrößte Insel Australiens vor den Toren von Adelaide ist die Heimat von vielen wilden Koalas, Seelöwen und – wer hätte es gedacht – Kängurus. Da die Fähre pro Person alleine schon fast 100$ kostet, es keinen öffentlichen Verkehr auf der Insel gibt und unser Auto mitzunehmen nochmals fast 200$ gekostet hätte, haben wir uns entschieden eine Tour zu buchen. Die Tagestouren fingen bei 230$ pro Person an und nach oben gab es kaum Grenzen. Da uns die Insel aber von so vielen empfohlen wurde, haben wir das Geld in die Hand genommen. Dennoch haben wir uns an den größten Anbieter mit der günstigsten Tour gewendet. 230$ pro Person für eine Tagestour. Happig, aber let’s see…

Wir fahren also am Vorabend aus Adelaide ab um noch einmal an der Westküste in der Wildnis am Strand zu campen.

Wildcamping auf dem Weg nach Kangaroo Island

Wildcamping auf dem Weg nach Kangaroo Island

Morgens sind wir dann zur Fähre gefahren, aufs Boot und eine Stunde später finden wir uns am Hafen von Kangaroo Island wieder. Ausgestiegen und da stand er: Der Mann mit dem Schild unseres Anbieters „Sealink“ und er deutete auf unseren Bus: Ein riesiger Reisebus in dem uns schon eine Horde Asiaten mir Spiegelreflexkamera um den Hals anlächelte. Anm.: Und da Fragen sich manche Menschen wo bestimmte Vorurteile nur herkommen… 😀

Also, ein großer Reisebus der Sehenswürdigkeit nach Sehenswürdigkeit anfährt, die Horde Touristen rauswirft um Fotos zu machen und dann direkt wieder zur nächsten Attraktion weiterfährt. Wir waren also inmitten der Sorte von Touristen, über die wir uns monatelang lustig gemacht haben, als wir stundenlang an einsamen Stränden gelegen haben und alle paar Stunden mal eine Gruppe Touristen vorbeikam, die die Kameras für 5 Minuten haben klicken lassen und dann wieder abgerauscht sind.

Touri-Busse mit der passenden Ladung Kameraträger

Touri-Busse mit der passenden Ladung Kameraträger

Und so ging es dann von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit.

Wilde Seelöwen am Seal Bay, der zweitgrößten Seelöwenkolonie in Australien

Wilde Seelöwen am Seal Bay, der zweitgrößten Seelöwenkolonie in Australien

Wilde Koalas am Hansons Bay

Wilde Koalas am Hansons Bay

Wilde Kängurus am Hansons Bay

Wilde Kängurus am Hansons Bay

Ein Bett an den Granitformationen der Remarkable Rocks

Ein Bett an den Granitformationen der Remarkable Rocks

Remarkable Rocks

Remarkable Rocks

Robbenkolonie

Robbenkolonie

Babyrobbe auf Tour

Babyrobbe auf Tour

Für unseren Geschmack zu viel in einen Tag gepackt und man konnte die einzelnen angefahrenen Orte nicht wirklich genießen. Man wurde beim Mittagessen in Massenabfertigung abgespeist und so hat das Essen dann auch geschmeckt. Auf der anderen Seite war jeder Ort echt schön, wir sind einmal um die Insel gekommen und haben die Tour dann doch auf bestimmte Art und Weise genossen. Es ist halt einfach nicht unser Reisestil.

Rocket Man an den Remarkable Rocks

Rocket Man an den Remarkable Rocks

Alles in allem ist Adelaide eine sehr schöne Stadt mit sehr viel in der Umgebung zu Sehen. Uns hat besonders gefallen, dass das Stadtzentrum Adelaides komplett von Parkanlagen und Grünflächen umgeben ist. Also auch wenn man inmitten der Millionenstadt wohnt, hat man es nie weit ins Grüne. In einem der grössten Parks wurde sogar zu Kathys Freude ein viertägiges internationales Reitturnier abgehalten. So konnte sie einmal einen St. Georg (Anm. Stephan: Wem auch immer dieser Begriff etwas sagt, das Pferd lief die ganze Zeit im Kreis) in Australien begutachten und als wenn man es vorhersehen könnte, ein deutsches Pferd hat gewonnen :). Zudem war der gesamte Park, samt Weiher, in einen Military Parcours verwandelt worden. Sprünge in den Teich in dem eigentlich die Stadtenten ihre Schwimmrunden drehen, Sprünge direkt neben einer vielbefahrenen Stadtkreuzung, ein ungewöhnliches Bild.

Reitparkour in den Parks um Adelaide

Reitparkour in den Parks um Adelaide

Nun lag aber auch schon der letzte Streckenabschnitt vor uns, die Great Ocean Road!

Unsere Tipps für Adelaide und Umgebung

  • Kangoroo Island
    • Kangaroo Island ist sehr schön. Man müsste eigentlich ein paar Tage hier verbringen. Dagegen spricht einfach, dass Kangoroo Island, für das was es zu bieten hat, unverschämt teuer ist. Wir haben für unsere Eintagestour im Touri-Bus mehr bezahlt als wir für unsere 4 Tage inkl. Full Moon Party auf Magnetic Island bezahlt haben (zum Reisebericht).
    • Wir haben die Tour über Sealink gebucht (1 Day Kangaroo Island Experience Tour). Wer auf diese Art Tourismus steht, kommt mit diesem Anbieter am günstigsten weg. Die bieten auch mehrtägige Touren an.
  • Kostenlose Stadttouren
    • Adelaide Greeters sind freiwillige, die Touristen individuell angepasste Stadttouren anbieten. Der Service ist komplett kostenlos und man wird 3-4 Stunden durch Adelaide geführt, jeweils mit dem persönlichen Fokus auf Museen, Parks, Geschichte oder was auch immer. Man sollte die Tour aber mindestens eine Woche vorab online oder telefonisch buchen. Wir haben wie empfohlen 4 Tage vorher gebucht und es kam leider keine Führung zu Stande – die Prozesse bei der Verwaltung sind verbesserungsbedürftig.
  • Barossa Valley Weintour
    • Wir haben die Groovy Grapes Weintour für 99$ gebucht und würden diese auf jeden Fall weiterempfehlen. Wir waren in einem kleinen Bus mit ca. 15 anderen unterwegs, sind 4 Weingüter angefahren und hatten ein gutes Mittagessen mit Kängurusteaks dabei.
    • Wer einen freiwilligenFahrer hat (der wirklich nüchtern bleiben will bei kostenlosem Alkohol), kann natürlich selber komplett kostenlos die Weinproben machen. Eine Karte und Infos gibt es hier.
  • Deutsches Settlement: Hahndorf
    • Wir fanden es wie gesagt eher enttäuschend und wirklich gut gegessen haben wir dort nicht. Wer gute deutsche Hausmannskost haben will, wird hier zwar fündig, muss aber auch ordentlich in die Tasche greifen.
  • Eyre Peninsula
    • Etwas weiter westlich von Adelaide gibt es traumhafte Küsten mit feinen Sandstränden. Hier kann man am Baird Bay mit wilden Seelöwen und Delphinen schwimmen. Anbieter: Gawler Ranges.

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