Outback: Roter Sand und ein verlorenes Land *sing*

Einordnung der Tour auf unserer Route

Nachdem wir unsere Arbeit in Brisbane und Sydney erledigt hatten, haben wir uns auf den Weg nach Melbourne gemacht. Nur wollten wir nach über 3000 km an der Ostküste jetzt auch mal etwas vom Outback mitbekommen. Darum sind wir durchs Landesinnere zunächst nach Adelaide gefahren um von dort aus dann weiter nach Melbourne zu fahren.

Reisebericht

Man kann es kaum glauben, aber 2 Stunden südlich von Sydney findet man ein kleines Stückchen Paradies. Jervis Bay mit schneeweißen Stränden und türkisblauem Meer entschädigte uns bei tollstem Sonnenschein für all die Regentage in Sydney!

Jervis Bay

Jervis Bay

Ein kleines einsames Paradies

Ein kleines einsames Paradies

Nach dieser kurzen Erholung kam der Abschied von der Küste (zumindest für die nächsten 2000 km).  Unser Weg führte uns über teilweise nicht existierende Straßen. Ja, die Australier lassen einen auch über Straßen fahren, wenn diese gerade in Renovierungsarbeiten stecken (und das über 40 km!!).

Auf dem Weg nach Canberra

Auf dem Weg nach Canberra

Unterwegs noch schnell eine Schildkröte von der Straße gerettet und dann ging es auch schon ab nach Canberra.

Lebensretter :)

Lebensretter 🙂

 

Canberra stand auf dem Programm. Canberra? Ja genau, die wenig bekannte Hauptstadt Australiens! Nur zu einem Zweck gebaut: Die Hauptstadt zu sein! Wie es dazu kam: Am 01. Januar 1901 schlossen sich sechs britische Kolonien zum Australischen Bund zusammen. Melbourne und Sydney verfielen in einen langen Streit, wer nun die Hauptstadt Australiens werden würde. Es gab keine Einigung. Man entschied (erst 1908 !!) eine neue Hauptstadt zu bauen: Canberra. Sie sollte zwischen Sydney und Melbourne liegen. 1927 war es dann endlich soweit und das Parlament zog in die neue Hauptstadt.

Canberra, Planstadt also. Sie besteht aus Kreisstraßen mit strahlenförmigen Achsen. Umgeben ist sie von einem Stausee. Zu sehen gibt es das Parliament House, das War Memorial und das National Museum of Australia. Alles drei interessante Plätze, in denen (teilweise kostenlose) Führungen angeboten werden. Und die Führungen lohnen sich, weil man vieles sonst durch reines Entlangschlendern nicht erfährt.

War Memorial - mit Blick aufs Parliament House

War Memorial – mit Blick aufs Parliament House

Wie es so üblich ist, wurden die Projekte zum Bau der Stadt in Architekturwettbewerben ausgeschrieben. Es ist doch erstaunlich, wie viele Gedanken Architekten in ein Gebäude oder eine Stadt stecken. Jeder Quadratzentimeter in den Gebäuden und der gesamten Stadt hat irgendeine symbolische Bedeutung. Bspw. das Knotenförmig angeordnete National Museum of Australia, dessen Enden auf den Uluru und das Parlament zeigen, was die Verbindung vom historischen Australien zum neuzeitlichen Australien darstellt. Oder der Fakt, dass wenn der Prime Minister in seinem Büro sitzt (ganz hinten durch im Parliament House) und alle Türen bis zum Haupteingang geöffnet sind (und es sind viele), kann er durch das Haus aufs War Memorial gucken. Quasi an die gefallenen Soldaten denken bevor er neue Soldaten in einen Krieg schickt. Das sind nur Beispiele der tausend Gedanken die in der Planung dieser Stadt stecken. Wir fanden es erstaunlich und auch interessant all das mal zu hören.

Parliament House - mit Blick aufs War Memorial

Parliament House – mit Blick aufs War Memorial

Neben der Geschichte und all der Architektur gibt es auch neuzeitliche Freuden. Zum Beispiel die Milkshakes im Pattisez im Stadtzentrum. Achtung, danach ist man eine Stunde bewegungsunfähig!

Ganz ganz kalorienarme Milchshakes

Ganz ganz kalorienarme Milchshakes

Auch trifft man etwas außerhalb auf eine Menge Kängurus

Wilde Kängurus auf dem Weg nach Canberra

Wilde Kängurus auf dem Weg nach Canberra

Aber jetzt schnell los ins Outback. Da wir ja in unserem Campervan voll ausgestattet sind mit Gaskocher, Elektrizität und allem was man sonst so braucht, konnten wir ca. 3 Wochen Leben ohne ein einziges Mal für Unterkunft zu bezahlen.

Gefrühstückt wurde entspannt neben unserm Campervan

Gefrühstückt wurde entspannt neben unserm Campervan

Abendessen

Gekocht wurde an „Raststätten“. Bzw. waren das eher einfache Buchten neben der „Straße“. Im Luxusfall gab es sogar ein Plumpsklo (siehe Hintergrund)

Mittagessen

Mittagessen in der „Einfahrt“ zu einer Farm

Nachtlager

Geschlafen wurde in der einsamen Wildnis am Straßenrand

Duschen an den öffentlichen Duschen in den Orten

Geduscht wurde an öffentlichen Duschen in den kleinen Ortschaften (eine kalte Dusche bei 40° C tut ganz gut) oder in den Truckerduschen an Raststätten

So sind wir eine Woche lang auf unserem Weg nach Adelaide über Wagga Wagga, Hay, Ivanhoe, Wilcannia und Broken Hill gefahren. Alles in allem sehr sehr kleine bis mittelgroße Örtchen in denen man nicht wirklich Leben möchte, wo Leute für einen Einkauf mal eben 200 km eine Strecke fahren, es geschätzte 1 Million Fliegen auf einen Einwohner gibt, dazwischen rote Dirt Roads auf denen wir so manchen Tieren begegnet sind.

Dirt Road

Dirt Road

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Emus

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Schafe

Kühe

Kühe

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Kängurus

Fliegen! Überall Fliegen!

und tausenden Insekten begegnet.

Fliegenschutz

Gegen die Fliegen waren unsere Fliegengitter (die wir eigentlich für unsere Seitenfenster zugeschnitten hatten) eine effiziente Abwehr.

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In jeder Lebenslage… 🙂

Im Outback fährt man quasi von Farmgrundstück zu Farmgrundstück. Die Tiere laufen also frei rum und auch auf der Straße. Oder vielmehr fahren die Autos auf dem Weideland der Tiere. So ein eingezäuntes „Gehege“ erstreckt sich gerne mal über ein paar hundert Quadratkilometer. Dazwischen kommt dann ein Gitter auf der Straße, dass die Tiere davon abhält zum nächsten Farmer überzulaufen. Und so fährt man über endlose rote Straßen von Farm zu Farm, alle hundert Kilometer immer mal wieder ein kleines Örtchen in dem man Tanken kann und sich fragt, was Menschen hier so machen.

Wir reden hier von Städten bei denen auf der Besucherinformationstafel im Ort die Highlights der Orte bebildert ausgeschrieben sind. Dabei handelt es sich meist um ein paar Bilder aus der Zeit im 19. Jahrhundert, als die Städte ihren Boom mit ein paar hundert oder sogar tausend Einwohnern hatten (Goldrausch, etc.). Dann ein oder zwei Bilder der neuzeitlichen Höhepunkte, bspw. das jährliche Heuballenrollen in Ivanhoe!!! Kein Witz!

Entfernungen zu den nächsten Städten fast immer dreistellig

Entfernungen zu den nächsten Städten fast immer dreistellig

Wo man für den Internetzugang das Telecenter besuchen muss

Wo man für den Internetzugang das Telecenter besuchen muss

Oder in Wilcannia, einem weiteren Örtchen auf unserer Route mit immerhin 500 Einwohnern. Fragt man Tripadvisor was man hier so machen kann, gibt es folgende Ergebnisse.

Things to do in Wilcannia

Things to do in Wilcannia

Sprichwörtlich selbst nach Trip Advisor: Es gibt dort nichts! Und so sieht es dann auch aus.

Nein, das Haus ist nicht verlassen.

Nein, das Haus ist nicht verlassen.

Der ehemalige Supermarkt. Hat sich nicht gehalten

Der ehemalige Supermarkt. Hat sich nicht gehalten

Auch wenn manche dieser Häuser verlassen aussehen, wohnen hier doch tatsächlich Menschen drin. Es war sehr interessant sich mit den Locals zu unterhalten (wenn man denn welche angetroffen hat). So ist Stephan in Mannahill auf der Suche nach einem Kaffee zum Mitnehmen in die einzige Bar des Ortes gegangen. In dem Moment, als die Frau hinter der Theke auf die Frage nach der Einwohnerzahl mit Ihren Fingern geantwortet hat, wurde daraus ein Kaffee zum Bleiben. Genau, der Ort hatte 7 Einwohner, von denen wir 2 kennengelernt haben. Die alte Dame (gebürtig aus Adelaide, vor 15 Jahren hierher gezogen) hatte dann doch ein paar witzige Geschichten auf Lager. Auf die Frage, warum Sie denn von Adelaide in diesen Ort gezogen ist, antwortete sie schmunzelnd „Change of life style“.

Please keep the pub alive. 2007 hatte Mannahill noch über 60 Einwohner. Heute 7.

Please keep the pub alive. 2007 hatte Mannahill noch über 60 Einwohner. Heute 7.

Auch wenn wir in der totalen Einöde waren, die Sonne schien, die Freiheit war da und mit unserem Campervan konnten wir inmitten der Wildnis unter einem Sternenhimmel schlafen, den wir in unserem Leben noch nirgends so klar und hell zu Gesicht bekommen haben.

Unser nächtlicher Ausblick

Unser nächtlicher Ausblick

Auf den endlos langen Straßen waren wir die meiste Zeit allein.

Unsere Straße ins Outback

Unsere Straße ins Outback

Alle paar Stunden kam mal ein Road Train vorbei, wenn wir Rast gemacht haben, das war es dann aber auch.

Road Train

Road Train

Das Outback gehört definitiv zu unseren besten Erfahrungen hier in Australien. Das Feeling der Geisterstädte und der Einsamkeit wollten wir nicht missen, waren aber genauso froh in Broken Hill in einer gewissen Zivilisation im Outback anzukommen. Broken Hill, Minenstadt, hat seinen Boom schon lange hinter sich und doch schreibt die Stadt eine beträchtliche Einwohnerzahl: 19.000.

Broken Hill

Broken Hill

Das erste Mal auf unserer Reise bewegten wir uns in ein Visitor Information Center und fanden dies auch sehr hilfreich. Der deutsche Angestellte konnte uns mit guten Tipps versorgen und schon saßen wir umzingelt von Prospekten in einem RSL Club (auch das erste Mal) und genossen das sehr günstige Mittagessen. Ein RSL Club ist ein Ort an dem vieles zusammenläuft: Restaurant, Spielautomaten, Bar und Veranstaltungen (Bingo & Keno). Beim Eintritt muss man sich mit Namen anmelden und kann zu sehr günstigen Preisen recht gut essen. Die RSL Clubs wurden ursprünglich gegründet um Kriegsveteranen des 1. und 2. Weltkrieges günstiges Essen und Unterhaltung zu bieten.

Unser Programm stand dann auch sehr schnell fest. Zunächst zu den Royal Flying Doctors, die für die medizinische Versorgung des Outbacks sorgen. Sind doch die meisten Farmen weit (200-300 km) von jeglicher ärztlichen Hilfe entfernt, kann bei Unfällen nur eine schnellere medizinische Hilfe per Flugzeug angefordert werden. Die 24/7 besetzte Hotline (die per Telefon oder Funk erreichbar ist) klärt zunächst was die Beschwerden sind. In jeder noch so kleinen Ortschaft befindet sich noch heute eine große Metallbox mit durchnummerierten Medikamenten und einer Abbildung, auf der der Körper in Quadranten eingeteilt ist. Man beschreibt also seine Symptome und den Ort der Schmerzen wie beim Schiffe versenken. „Ich bin unter den Traktor geraten und habe starke Schmerzen in Quadranten D und 4“. Nach eine Frage-Antwort Serie wird entweder ein Flugzeug losgeschickt oder dem Patienten empfohlen bspw. dreimal täglich zwei Tabletten aus Flasche Nummer 17 zu nehmen. 🙂

Royal Flying Doctors

Royal Flying Doctors

Da es so heiß war gönnten wir uns bei Bells einen Milkshake. Dies ist eine berühmte alte Milchbar in der sogar das Innendesign noch an alte Zeiten erinnert.

Bells Milchbar

Bells Milchbar

Der Muntawintji National Park gab uns dann einen Einblick ins wirkliche Outback. Felsformationen, Hitze und wenig Wasser waren die hinterlassenen Eindrücke. Überzeugt euch selbst:

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Hiken im Mutawintji National Park

Der letzte Tag der uns zur Minenbesichtigung der „Day Dream Mine“ und zur Geisterstadt Silverton führte, hatte es dann noch einmal in sich.

Auf zur Silbermine

Auf zur Silbermine

Die Führung startete über das Gelände der Minen und man bekam langsam eine Vorstellung wie das hier damals (Start im Jahre 1882) abgelaufen ist. In Silverton wurde hauptsächlich (jetzt kommts…) Silber abgebaut! Zumindest solange, bis in Broken Hill größere Vorkommen entdeckt wurden. Gesprengt wurden die Gänge mit Dynamit, teilweise sind diese Gänge gerade mal so hoch, dass man nur auf dem Bauch voran robben konnte. Bei Sprengungen wurden Dynamitstangen in die gemachten Löcher gesteckt, angezündet und die Kameraden versuchten so schnell und so weit wie möglich, den Bau in die andere Richtung zu verlassen. Um die Person zu bestimmen, die mit einer Kerze bewaffnet zurück kroch um festzustellen, ob denn auch alle Dynamit Stangen explodiert sind, wurden Hölzchen gezogen. Sicher nicht der beliebteste Job… So ging es dann auch für uns bald in Richtung dieser Mine. Ausgerüstet mit Lampe und Helm.

Helm an

Helm an

Beim ersten heruntersteigen der Treppen merkte Kathy aber leider, dass dieses Abenteuer nichts für sie war und Stephan ging alleine mit der Gruppe weiter. Kathy war die Sonne über Tage dann doch lieber als in einen 150 Jahre alten Stollen hinabzugehen, indem man teilweise nur halbgebückt voran kam.

Und runter gehts. Bis zu 30 Meter in die Stollen

Und runter gehts. Bis zu 30 Meter in die Stollen

Kurz darauf fuhren wir dann nach Silverton. Silverton, 7 Einwohner (früher mal 3000), Straßen gähnend leer, aber berühmt für verschiedene Filmdrehs (Mad Max 2, Mission Impossible 2, etc.), kein Wunder bei dieser einzigartigen urigen Geisterstadtkulisse (denkt man sich die parkenden Touristenautos weg):

Ein ganz normaler Tag in Silverton an der Bar

Ein ganz normaler Tag in Silverton an der Bar

Somit machten wir dann auch, in diesem einzigen Haus in dem noch Leben zu sein scheint, halt zum Mittagessen, bestellten uns ein Bier und genossen das einzigartige Ambiente in diesem Pub (es bestand aus sehr, sehr alten Fotos, Lebensweisheiten und ein paar anderen Lachern).

Silverton Pub

Silverton Pub

Schon bald befanden wir uns auf dem Weg raus aus dem Outback und zurück auf befestigten Straßen. Dann haben wir erst einmal ein paar Stunden damit verbracht den Van zu entstauben. Denn ÜBERALL war roter Sand.

Nach 500 km Dirt Road - der Sand ist ÜBERALL!

Nach 500 km Dirt Road – der Sand ist ÜBERALL!

In wirklich jeder Ritze

In wirklich jeder Ritze

Als wir den Frühjahrsputz erledigt haben ging es aber endlich wieder zurück ans Meer. Das erste Mal an die Westküste Australiens. Adelaide hat gerufen. Dazu im nächsten Bericht mehr.

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